THE ROLLING STONE

Ich dachte mir, ich erzähle Ihnen die Geschichte meiner „Betriebsunfähigkeit“ an dieser Stelle!
D.h. ich muss sie nur einmal erzählen, das enthebt mich der Mühe, jedem meiner anteilnehmenden Patientenbesitzer (und solche habe ich, da meine Praxis sehr viel mehr ist, als eine rein tiermedizinisch orientierte Praxis, wer mich kennt der weiß das : bei mir menschelts, gewaltig :-)!) meine Abwesenheit aufs Neue erklären zu müssen, denn diese hatte einen triftigen Grund, wie Sie dem Titel entnehmen können.

das Ganze begann heute vor 2 Wochen, am Dienstag, den 19.11.
In heller Vorfreude auf den dermatologischen Kongress, zu dem ich tagsdrauf, am 20.11. bis zum 22.11. nach Zürich reisen wollte, hatte ich mir für diesen Dienstagnachmittag nicht mehr allzuviel vorgenommen, nur wenige Patienten einbestellt.
Plötzlich überfällt mich aus heiterstem Himmel und ohne Ankündigung ein heftiger Schmerz im li.Unterbauch.
what’s the hell???
Für Eierstockszysten bin ich doch nun etwas zu alt, das gibt die verkümmerte Hormonlage nicht mehr her!
What else?
Hab garkeine Zeit, groß drüber nachzudenken, bin mit „Schmerzaushalten“ beschäftigt, leg mich probeweise am Boden auf den Rücken.
Egal ob ich die Beine anziehe (Entlastungslage für akutes Abdomen) oder ich sie strecke, ob ich sitze oder gehe, keine Erleichterung.
Nach 20 min. anhaltender krampfartiger Schmerzen überlege ich, ob ich den Notarzt rufe …, schwuppidwupp, plötzlich ist alles weg, wie aus dem Nichts augetaucht, ins Nichts entschwunden…., Sprechstundenbetrieb kann weiter gehen.
Wäre da nicht mein Bauchgefühl!!
Das hinterläßt in meinem hellwachen, sehr sensibilisierten System ein ganz eigenartiges, alarmiertes Gefühl. Und das sagt „stornieren“ solang das noch geht!!
(Von diesem Gefühl wird noch ein paar Mal die Rede sein, die Bauchentscheidungen sind bei mir die segensreichesten!!)

Mit großer Überredungskunst storniere ich in der nächsten halben Stunde :
a) die Bahnfahrt nach Zürich, b) das Hotel in Zürich, c) den Kongress
und treffe dankenswerter Weise auf lauter verständnisvolle Telefonpartner und erspar mir dankenswerterweise horrende Kosten!!

Als ich in meinen Feierabend aufbreche, sind meine Gedanken nur bei einem gemütlichen Abend, gutem Essen und meiner Bettlektüre (so, jetzt wissen Sie auch, auf welch bürgerliche Art ich meine Abende verbringe ;-))
Aber…. das übliche leichte Hinübergleiten ins Traumreich wird mir verwehrt.

Unwillig, eigentlich zu müde, fühle ich den nun schon bekannten Schmerz auf der linken Seite aufkeimen.
Bauch zu Kopf : „da läuft was Ungutes, wach auf, sammle Dich, leg den Harnisch an“.

Ich warte nicht lange ab, wecke meinen Mann, auf dass er fürs Erste mal Händchen hält.
Ganz schnell wird klar, damit wirds kaum getan sein.
Der Begriff aus der Musik „Crescendo – Decrescendo“ (überigens auch im medizinischen ein Fachbegriff für ansteigende und abfallende Schmerzen) entsteht im Kopf sekundenschnell, und damit fällt mir schlagartig ein : das kann nur ne Nierenkolik sein.
Noch nie gehabt, aber gut beschrieben, beschreibt das, was ich im Moment durchlebe, das Krankheitsbild des sich bewegenden Nierensteines.
Krampfartige, vernichtende Schmerzen, schlimmer als Wehen, das muß es sein, ein „rolling stone“.
Aber trotz quälendster Not gebäre ich weder Kind (war auch nicht zu erwarten) noch Stein!

Ein Arzt muss her. Das kann ich meinem Mann noch klarmachen, bevor ich mich schreiend „..in die Auslegeware verbeiße“ (frei nach Loriot).
Eine weitere halbe Stunde größter Qual, kein Arzt kommt!
Mein inzwischen lautes Schreien bringt meinen Sohn aus dem Bett.
Er ruft den Notarzt, von mir instruiert, was er sagen muss! Noch ne halbe Stunde und SCHON naht Rettung….., in Form zweier Sanitäter, einer vertrauenserweckend, kompetent, der andere AZUBI !

Unter diesen Umständen kann ich’s nicht lassen, die Helfer zu instruieren, was zu tun ist :
Venenzugang, Metamizol iv……. haaaaalt! Stopppp : nur halbe Dosis und bitte verdünnt, sonst verabschiedet sich mein Kreislauf auch noch….., ich spüre, „Mann“ ist irritiert, wagt aber (Gottseidank) keine Widerworte.
Als ich dann noch bestimmen will, wohin man mich bringen soll, kippt die Stimmung! Sorry, das entscheidet die Feuerwehreinsatzzentrale.
Ok, ich geb mich geschlagen, ich will nur noch, dass der Schmerz aufhört und sonst nichts.

Jetzt haben schon genug Fremde meine Schwäche gesehen, das heißt, ich gehe selbstständig die Treppen und die Kurzstrecke bis zum Krankenwagen, die Infusion wie ein Zepter in der richtigen Höhe schwingend.
Mein Mann ist der Einzige, der mich schwach sehen darf, der soll bitte mit, mit dem Schmerztropf genügt seine Partitur des Händchenhaltens.

Die Fahrt endet in einer Münchner Klinik.
Dort wird trotz tiefnächtlichster Stunde alles professionell durchgecheckt :
– Kontrastmittelröntgen…., nix zu sehen??!! Naja, es gibt einen geringen Anteil von Steinarten, die röntgenologisch nicht erfassbar sind! Klar, muss ja ausgerechnet bei mir so sein.
– Blutbild….., alle Werte in Ordnung??!! ok, klar, ich bin ein Simulant (sagt keiner, denke aber ich, dass Alle das denken).
Ich bleibe also über Nacht zur Beobachtung, mit der Vorlage, wenn nix Schlmmeres mehr auftaucht, was heißt keine Schmerzen, kann ich am Mittwoch nach der Arztvisite nach Hause.

Des Nachts…… Crescendo-dcrescendo…, der Schmerz kommt zurück!
Morgens erneute Untersuchung, diesmal sonographisch……, nix zu finden! Abwarten?!

Inzwischen bin ich vollgepumpt mit Schmerzmitteln – ich, die ich ansonsten höchstens mal Zuflucht zu Pfefferminzöl nehme, um den Föhn im Kopf zu bändigen -, mit Medikamente, die ich Magen-Darm mäßig, nicht so gut vertrage. Dazu Mittel, um die Verträglichkeit dieser Mittel zu verbessern (die ich aber ebenfalls noch nie gut vetragen habe)
Und trotzdem habe ich Schmerzen, die meine feinen Sensoren nun aber anders einstufen.
Da entwickelt sich ganz langsam ein Dauerschmerz im Bauch, der mit Krämpfen nichts mehr zu tun hat.
Nix crescendo-decrescendo, sonder dumpf-dauerhaft.

Eine nette Pflegekraft, die wie ich an den Stein glaubt, gibt mir den sinnvollen Rat, Treppen abwärts zu laufen. das würde den Stein in die richtige Richtung zwingen.
Da ich ein überaus folgsamer Patient bin, der nur danach trachtet, so schnell wie möglich wieder autark zu sei und mir dieser Rat physikalisch völlig einleuchtend erscheint – hat zur Geburtseinleitung ja auch geklappt und da war das, was raus wollte wesentlich größer, als ein kleiner Stein -, setze ich den Rat um.

Also hoch nach oben mit dem Lift und vom obersten Stockwerk zu Fuß (leicht unterstützend hüpfend) runter bis in die Tiefgarage übers Treppenhaus.
Wie beauftragt pinkle ich bei jedem Toilettengang in ein Sieb, aber wieder nichts, weder Stein noch…., Sie wissen schon…. das, was auch nicht zu erwarten war.

So, das war der 1. Teil, ich muß aufhören, sonst spinnen die Meßgeräte und ich bin entlarvt, dass ich etwas anderes mache, als mich „erholen“.
Von Was, das schreibe ich Ihnen morgen und wie das Drama über Zwischenstation in 2 weiteren Kliniken weiterging ……..

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