22. Dez., 22. Türchen

Fahrt von Entephi nach Frankfurt über Haisighe und Siegen 

Teilstrecke Frankfurt – München

Und wieder sitze ich – asthmatisch keuchend – im Zug, im Abteil 1. Klasse (was ein Fehler war, wie sich schnell herausstellen sollte, denn Pupse erster Klasse riechen auch nicht besser als 2. Klasse)

Aber nicht wegen Letzteren – den Pupsen – keuche ich asthmatisch (im Verlauf der Fahrt versuche ich eher das Atmen einzuschränken) nein, ich kämpfe gegen drohendes Lungenversagen, da mit hängender Zunge der Schafherde nachhetzend, wegen folgender DB-typischen Kapriolen :

  • Durchsage : Verspätung des angekündigten Zugs auf dem angekündigten Bahngleis,
  • Durchsage : Änderung des Bahngleises für den angekündigten  Zug, 
  • Durchsage : der angekündigte Zug nun doch zur angekündigten Zeit  …. hä? Die angekündigte Ankunftszeit ist doch längst vorbei…., aber Alle rennen…, also los…!!!
  • Hetze zum geänderten Gleis ….und da sieht man ihn in der Ferne auch schon stehen, den ICE, da war vorher nämlich nichts, aber ….,
  • KEIN Durchkommen zu diesem Gleis, wegen gesperrtem unterirdischem Durchgang (Bauarbeiten), also…,
  • ZURÜCK auf Anfang, und zwar die gesamte Länge zweier Züge, von Zugspitze bis Zugende, oder umgekehrt ? (Nein, nicht noch einmal, hatten wir schon, karlvalentineske Posse, Diskussion mit dem ZugBEGLEITER, siehe 16. Türchen),  jedenfalls von außerhalb der Halle, von Abschnitt F zu Abschnitt A am zum Zugende (oder Spitze ?), gefühlt mehrere Kilometer und ….
  • alle diese Durchsagen völlig unverständliches Kauderwelsch, nicht hörbar wegen Baulärms (und meiner Schwerhörigkeit, aber auch ohne diese) in den benachbarten Gleisen, deshalb….
  • Schafherdeverhalten, alle rennen, also auch ich, hinterher,  den am schnellsten Rennenden hintendrein, denn die haben das Wissen, das ich nicht habe…

Aber geschafft, ich sitze, bequem, gemütlich, mit ausreichend Platz, breite meine Habseligkeiten um mich herum, schließe den Laptop an, klappe den Tisch herunter in Vorfreude auf ein leckeres Abendessen – doch, ein Pluspunkt für die DB, die Qualität der Speisen hat sich gewaltig gebessert in den letzten Jahren – denn ich gedenke, mir selbiges am Platz servieren zu lassen, wenn ich schon mal im Genuss eines 1.Klassetickets bin.

Um mir die Zeit bis zum Eintreffen des Menüs unterhaltsam zu verkürzen, greife ich zur dargebotenen SZ   –

Zeitungen gibt’s nur in der ersten Klasse, auch die „Bild“ , wobei die zumindest in der 3. Klasse  (= Stehklasse, alternativ Kloklasse) verfügbar und kostenlos –  als Entschädigung  – verteilt werden sollte, zumindest in der Kloklasse, denn falls diese nicht besetzt, dann ohne Klopapier

– aber noch ist der Steward/die Stewardess nicht erschienen um Bestellungen aufzunehmen, sondern nur der Zugschaffner (1. Klasse, mit kundenorientiertem süßlich seifigem Ersterklassesprech /  2. Klasse, mit eher gequält wirkendem, unwirschem Zweiterklassesprech)

Und jetzt geht’s los….., oh Gott!!!!  Es riecht, respektive es stinkt ! Zuerst kaum wahrnehmbar, dann – erschnuppernd – rieche ich eine unangenehme, ja üble Geruchsfahne, die sich langsam windend, zwischen den Sitzreihen nähert  – Verursacher ungewiss, Herkunft eindeutig, untere Körperöffnung.

Was tun ?

  • Schimpfend vor sich hinmurmeln – lenkt die Aufmerksamkeit auf einen selbst, macht einen verdächtig, selbst der Verursacher zu sein.
  • Sich winden  – dasselbe Ergebnisse, lässt Blähungen vermuten
  • sich zusammenkauern, Nase zuhalten – dito, führt zum selben Verdacht,
  • unbeteiligt ringsum schauen – auch keine Lösung, fällt erst recht auf einen zurück.
  • also, tief inhalieren, um sich an den Gestank zu adaptieren – schaff ich nicht, zu eklig

ich bin ausgeliefert!!! Machtlos!!!

 

Langsam tritt der Verdünnungseffekt ein, ich beginne zu entspannen…..

Nun kommt auch endlich die Stewardess und verteilt Gummibärle, nett, obwohl ich das Zeug nicht mag, erst recht nicht als „Amuse gueule“, ich lehne ab und warte…

Aber jetzt geht der abendliche Darm-Inkontinenz-Krimi weiter, der Sauerstoffkiller schlägt wieder zu, bzw. er entspannt sich/seinen Darm….., derselbe olfaktorische Thriller und kein Ermittler in Sicht, keine Festnahme, kein Abführen des Täters, nein, es folgt salvenartig Staffel auf Staffel, eine dritte,  vierte,  fünfte……, mir schwinden langsam die Sinne….

bevor ich ernsthaft befürchte das Bewusstsein zu verlieren, springe ich auf  – jetzt denken sicher Alle (außer dem Darminkontinenten) dass ich der üble Stinker bin – aber egal, nur hier raus…., ins Restaurant.

Im Zugrestaurant ist es kühl, kaum besetzt, eigentlich sitze nur ich hier, aber es stinkt nicht und dankbar atme ich in tiefen Zügen die kalte Zugrestaurantluft, inhaliere, wie ein Süchtiger den Zigarettenqualm, den etwas abgestandenen, kalten Essensduft.

Ich erhole mich rasch – bin als TÄ Einiges gewöhnt – und nach einiger Zeit ist auch der Hunger wieder da und ich winke nach dem Steward.

Er kommt und ich gebe meine Bestellung auf!

Nächster Schock :  keine warme Küche, kein elektrisches Gerät funktioniert…. Stromausfall !

ok, ich bin leidgeprüft, also :

  1. dann ein Sandwich?  ….. aus!
  2. ein Kuchen?  ….. aus!
  3. heißer Kakao?  ….. Sind Sie taub? Sagte ich doch schon, Stromausfall!
  4. nur Bier/Wasser/Saft/Gummibärle!  (Sie hören schon, kurze knappe unwirsche Ansagen = was??? Zweiterklassesprech, Zugrestaurant ohne Klassenunterschiede, wohltuend, ich fühl mich trotz allem zuhause)
  5. Nein Danke!!! (aber jetzt versteh ich den Ersterklasseservice, die „Amuse guele“, DIE Option der DB vom Problem abzulenken, Gummibärle statt Gummiadler)

Ich geh – gebrochen – zurück, in die Ersterklassetoilette (sprich, in meinen Ersterklassewagon), zu meinem Ersterklasseplatz, mit der Ersterklasseluft – war lange genug weg, um den Mitleidenden klar zu machen, dass ICH NICHT der Täter bin !!!

Ich kapituliere, atme, denke zurück an die Fahrt im Bus von Entephi über Haisighe nach Siegen … „erstunken ist noch keiner …..“ und dann in ich auch schon in München…..

und damit endet die Geschichte „wenn Eine eine Reise tut“ ….. und wenn sie nicht gestorben ist …..,

das zwar nicht, aber sie endete mit einer Mordserkältung, die seit inzwischen mehr als 4 1/2 Wochen anhält, wahrscheinlich haben meine Atemwege in diesem Ersterklassegestank Schaden genommen, sodass jedes mickrige Erkältungsvirus sich einnisten kann, um mich dran zu gemahnen, nie mehr erster Klasse zu fahren…, der DB werde ich wohl weiterhin die Treue halten, lieber Idioten im Zug, als im Auto auf der Gegenfahrbahn…..

Ich überlege aber eine Schadensersatzklage einzureichen…., zumindest das Ersterklasseticketgeld zurück zu fordern, wegen mutwilliger Körperverletzung im Rahmen nicht ausreichender Belüftung des Zuges (aber wahrscheinlich Stromausfall der Klimaanlage, höhere Gewalt ……)

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