Leishmaniose – eine Hautkrankheit ?

sorry, ich bin mal wieder spät dran, hier aber der versprochene Artikel zur Leishmaniose, d.h. all das, was im „Monatstipp März“ noch nicht erwähnt wurde.

Sie werden sich vielleicht schon gefragt haben „was hat Leishmaniose mit Haut zu tun?“, da alle meine Monatstipps ja Tipps für Besitzer von Hautpatienten sind.

Tatsächlich ist es so, dass die gängige Lehrmeinung bisher lautete
– von der Leishmaniose gibt es 2 Erkrankungsformen, einmal die organische und meist schnell tödlich endende Form und zum anderen die Hautform – (und damit sind wir folgerichtig auch beim Thema Hautkrankheiten).

Inzwischen weiß man aber, dass die Hautform der Leishmaniose nichts anderes ist, als die sichtbare, als Hauterkrankung wahrnehmbare Ausprägung der systemischen Erkrankung – d.h. der Organerkrankung, die den ganzen Körper erfasst.

Nach wie vor zählt die Leishmaniose zu den Reisekrankheiten, von denen jeder Hundebesitzer schon gehört hat.
Neu ist, dass diese Infektionskrankheit immer näher rückt, es sind nicht mehr nur die für uns Deutsche typischen (Kurzurlaub-)Reiseländer, die Mittelmeerländer betroffen (siehe Karte im März-Tipp), der Erreger kann inzwischen auch in wärmeren Gegenden in Deutschland angetroffen werden, auch wenn die Übertragung hier noch vereinzelt ist.

Die Infektion mit dem Leishmanioseerreger erfolgt in den meisten Fällen über den Stich der Sandmücke, die zum Überleben nur 1-2 Grad mehr, als die bei uns übliche Durchschnittstemperatur braucht.
Diese Bedingungen sind im Rheingraben seit ein paar Jahren gegeben.

Außer über die Sandmücke gibt es noch andere Übertragungswege, die seltener sind, z.B. über Zecken, welche an einem infizierten Tier Blut gesaugt und damit den Erreger aufgenommen haben und ihn mit dem nächsten Biß weitergeben können.

– Das ist auch der Grund, weshalb ich ständig auf der Anwendung von „REPELLENTS“ herumreite, das sind DIE antiparasitären, äußerlich anzuwendenden „Spot-on“ Präparate, die zuverläßig schützen, da hierbei – korrekt aufgetragen – die Parasiten, egal ob Zecken oder Mücken oder Flöhe, erst garnicht stechen oder beißen.

Ein 3. Übertragungsweg erfolgt via Plazenta, also vom infizierten Muttertier auf das Ungeborene.
Auch dies eine seltene Variante, wurde in Deutschland jedoch schon beobachtet.

Und als letzte Möglichkeit seien Bluttransfusionen zu nennen, der Weg vom möglicherweise infizierten Blutspender auf den NOCH-NICHT infizierten Empfänger.

Sie werden nun denken „ein krankes Tier wird zum Blutspenden doch nicht hergenommen“ und damit sind wir beim nächsten Problem : wissen wir denn, welches Tier infiziert ist ?

Nein, wir wissen es nicht, denn :

1. es gibt infizierte Tiere, die nie erkranken, da sie über spezielle, ererbte Abwehrmassnahmen verfügen, die den Erreger sozusagen killen können.
(Heute weiß man, dass dies eine ganz bestimmte Reaktionsfähigkeit, ganz bestimmter Abwehrzellen innerhalb des Immunsystems ist)

2. es gibt infizierte Tiere, bei denen die Abwehr so ausbalanciert ist, dass sie den Erreger zwar in sich tragen, ihn sozusagen „in Schach halten“, bei denen die Krankheit nicht, oder erst bei zusätzlichen Gesundheitsprobleme ausbrechen kann.
(Dies kann z.B. passieren bei gleichzeitiger Infektion durch andere, durch Zecken übertragene Infektionskrankheiten, wie Borreliose, Ehrlichiose, etc, alles Krankheiten, die Ihnen bekannt sind, aber auch durch alle anderen, die Abwehr schwächenden Zustände kann sich die Balance innerhalb des Immunsystems verschieben, sodass der Erreger dann plötzlich leichtes Spiel hat).

3. es gibt infizierte Tiere, die sich infizieren und auf jedenfall erkranken, weil bei denen die Reaktion der speziellen Abwehrzellen schon genetisch bedingt, nicht gegeben ist.

Die Tiere der Gruppe 1 sind meistens einheimische Hunde der Mittelmeerländer
(beim typischen Ibiza-Hund erfolgten derartige Beobachtungen/Untersuchungen).
Ein Teil dieser Hunde hat über viele Generationen ein entsprechendes Immunsystem erworben und weitervererbt, bei dem die Reaktion der Abwehrzellen dem Erreger keine Chance geben.

Unsere Hunde in Deutschland gehören dagegen zur Gruppe 2 oder 3 und einmal infiziert, können sie sofort erkranken oder aber erst Jahre danach, denn die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Erkrankung kann viele Jahre dauern.

Ev. haben wir nach langer Zeit unseren Spanien-Italien- oder Griechenlandurlaub längst vergessen und verstehen nicht, wie unser Hund plötzlich eine derart komische Hautkrankheit entwickelt und oft werden dies dann meine Patienten, da die Hautsymptome die ersten Zeichen der Erkrankung sein können.

Was macht diese Infektion zusätzlich problematisch ?

Gerade wenn unsere Vierbeiner altern und das Immunsystem mitaltert, kommen sie in die „verwundbare“ Phase und der in Ihnen schlummernde Erreger kann plötzlich aktiv werden.

Empfänglich FÜR die Infektion, also die Gefahr sich überhaupt anzustecken, sind widerum recht junge Hunde. Das typische Alter, in dem unsere Hund besonders empfänglich sind, ist die Zeit zwischen dem 2. und 4. Lebensjahr.

Und es gibt auch bestimmte Hunderassen, die empänglicher sind als andere Rassen, nämlich Boxer, Cocker Spaniel, Rottweiler, DSH (zitiert nach „Beneth et al, Trend Parasit 2008; Moritz & Krämer TP 2009“, damit mich niemand des Datenklaus beschuldigen kann, abgesehen davon ist jegliches Wissen irgendwie Datenklau ;-))

Warum nun ist die Leishmaniose solch eine ernstzunehmende Erkrankung?

a) sie ist nicht heilbar, nur mehr oder weniger gut behandelbar, in der Hoffnung den Erreger in Schach halten zu können
b) sie ist auch auf uns Menschen übertragbar.

Auf Punkt a) die Behandlung und deren Problematik und b) Ansteckungsgefahr für uns Menschen, gehe ich im nächsten Teil ein.

Bis dahin wünsche ich uns Allen einen schönen sonnigen, wieder frühlingshaften Tag, mit sonnigen Gedanken!!

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